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jungfrau (2)

zufrieden war er nicht, der prinz. seine jungfrau, das wusste er in seinem innersten, wartete immer noch da draussen auf einem abgelegenen hof, zu dem ihn bis jetzt kein noch so gefährlicher auftrag geführt hatte.

eines tages gab er bekannt, im traum sei ihm ein einsiedler erschienen. er habe ihm aufgetragen, jene wundersame blume zu suchen, die den ewigen frieden unter die menschen bringe. keiner im reich widersprach, als er sich anschickte, dieser berufung zu folgen. einzig seine frau murrte. sie hatte gern sex mit ihm, die kinder waren noch nicht erwachsen, und er war trotz seiner etwas eigensinnigen natur ein unterhaltsamer begleiter ihres höfischen lebens.

bis jetzt hatte nie ein mann in einem solchen fall auf seine frau gehört. darum zog auch der prinz auf seinem pferd von dannen. er hat das weite gesucht, erzählte später seine frau jenen, die nach ihm fragten.

die jungfrau, sie war inzwischen zweiunddreissig, war ebenso verantwortungsbewusst wie der prinz. tapfer träumte sie jede nacht vom prinzen, der sie wachküsste, und fleissig pflegte sie jeden tag ihre gebrechlichen eltern, fütterte die schweine und hielt den hof und das haus in ordnung.

nun sind sich die chronisten nicht einig, ob es tatsächlich der prinz war, der eines tages auf dem hof erschien, als die junge frau eben aus dem schweinestall trat. einige behaupten, das morgenlicht habe sie geblendet, darum sei die verlotterte gestalt ihr wie ein prinz, wie der richtige prinz, vorgekommen.


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letztmals geändert am 09.11.2005
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